Ich war am vergangenen Osterwochenende in Paris und habe dort selbstverständlich alle bekannten Sehenswürdigkeiten abgeklappert. Es ist bestimmt schon 15 Jahre her, dass ich das letzte Mal in der Île-de-France-Region war – konnte die Stadt also wirklich aufs Neue erkunden. Ich habe mich für die paar Tage im Maraisviertel eingenistet, welches am rechten, nördlichen Seineufer zwischen der Place de la République und der Place de la Bastille liegt.
Die Hauptaktivität für mich am Ostersamstag war der Louvre. Ich bin also in aller Früh aufgebrochen und habe mich aufgemacht, um einen ganzen Tag im wohl berühmtesten Museum der Welt zu verbringen. Nicht ganz überraschender Weise war ich nicht der Einzige mit dieser Idee und habe Hunderte von anderen Touristen vor dem Haupteingang zum Musée du Louvre, der Glaspyramide im Innenhof, angetroffen. Nach einer halben Stunde, und 9.50 € weniger in meinem Geldbeutel, war ich nun endlich drin.
Ich war überwältigt von der griechischen und römischen Antikensammlung, und besonders, als Hobbyägyptologe, von der ägyptischen Abteilung, welche im 19 Jahrhundert von Champollion, dem Entzifferer der Hieroglyphen, aufgebaut wurde. Hier ist ein Bild vom Pharao Echnaton/Amenophis IV:
Als bekennender Computer-Geek habe ich mich aber stark gewundert, warum die Technologien, die den Besuchern hier geboten werden dem 2ten Jahrzehnt im 21ten Jahrhundert keineswegs gerecht werden.
Hier sind einige Dinge die mir aufgefallen sind:
Es werden den Besuchern veraltete, sogenannte Multimedia-Guides („Le Guide Multimedia“) angeboten. Diese Geräte sind unter Museumsgängern natürlich gang und gäbe, jedoch finde ich sie nicht zeitgemäß und sehr umständlich. Außerdem kosten sie bis zu 6 € pro Besucher (mehr als 60% des Eintrittspreises!). Laut der Website des Louvre bietet dieses Gerät eine […]Auswahl der bedeutendsten Werke, kommentiert von den Experten des Museums.[…]. Interessanterweise handelt es sich hier also nur um eine kleine Auswahl. Der ‚Guide‘ wird außerdem nur in folgenden Sprachen angeboten: Deutsch, Englisch, Koreanisch, Spanisch, Französisch, Italienisch und Japanisch. Hmm. Interessant! Was machen die Touristen die also mehr über Exponate herausfinden wollen, die nicht Teil dieser Auswahl sind? Was machen außerdem die Besucher aus China, Brasilien oder zahlreichen anderen Ländern, die die hier aufgelisteten Sprachen nicht sprechen? Noch hinzukommt, dass die üblichen Informationsschilder, die man neben jedem Exponat findet nur auf Französisch sind. Gehen wir nicht ins Museum um zu lernen? Was bringt es z.B. einem Süd-afrikanischen Besucher sich die Briefe von Marie Antoinette anzuschauen, wenn man möglicherweise kein Wort davon versteht und den Kontext nicht kennt?
Sollte es heutzutage nicht möglich sein diese Informationen in der jeweiligen Muttersprache der Besucher anbieten zu können? Süd-Afrika als Beispiel hat mehr als 10 offizielle Amtssprachen, u.a.: Afrikaans, isiNdebele, isiXhosa, isiZulu, Nord-Sotho, Süd-Sotho, Setswana, Siswati, Tshivenda, Xitsonga.
Hier ist was ich vorschlage:
Jeder Besucher kann sein eigenes Multimedia-Gerät mitbringen, wie z.B. ein IPhone, IPad oder eines der zahlreichen existierenden PC-Tablets, Smartphones, E-Reader, etc. Für Besucher ohne ein eigenes Gerät, können Leihgaben gegen Pfand ausgeliehen werden. Vor Ort (bzw. auch schon vorher) können dann auf Unmengen von Informationen durch ein Wireless-Netzwerk des Museums zugegriffen werden. Diese Informationen können entweder von bestimmten Quellen direkt aus dem Internet kommen (Wikipedia.org, etc.), oder auf einem hauseigenen Museumsserver bereitgestellt werden. Jedes noch so kleine Exponat kann somit durch nützliche, relevante und aktuelle Informationen unterstützt werden.
Der Besucher kann hier natürlich entscheiden wie viele Informationen angezeigt werden sollen, bzw. in welchem Format (Video, Audio, Text, etc.) und in welcher Sprache diese bereitgestellt werden sollen. Der Zugriff auf diese Daten – direkt oder durch eine hauseigene Applikation – ist selbstverständlich kostenlos und kann aus jedem Winkel des Museums (und der Welt) ohne Probleme genossen werden.
Wie erhält man Zugriff auf die Informationen?
Neben jedem Exponat wird ein sogenannter QR-Code angebracht.

Der QR-Code (QR steht für englisch: quick response = schnelle Antwort) ist ein zweidimensionaler Code (2D-Code), der von der japanischen Firma Denso Wave im Jahr 1994 entwickelt wurde. Mittlerweile verfügen viele Mobiltelefone über eine eingebaute Kamera und eine Software, die das Lesen von QR-Codes ermöglicht. Hinter den Codes verbergen sich interne oder externe Webadressen mit allen weiteren Informationen zum jeweiligen Ausstellungsstück.
Hiermit kann eine ganze Menge gemacht werden:
- Kommunikation in sozialen Netzwerken: Jedes Museumsstück kann nun „Fans“ haben. Diese können auf dem jeweiligen Profil des Museumsstücks Kommentare hinterlassen, sich mit anderen Fans austauschen und immer auf dem Laufenden bleiben.
- Automatische Übersetzungen werden stetig besser und der automatische Google-Übersetzer kann bereits ganze Webseiten in einer Zehntelsekunde in mehr als 50 Sprachen übersetzen (unter anderem in Suaheli und Tagalog). Das Museum muss die Informationen somit nicht selber übersetzen.
- Schulen können zum Beispiel ganze Schnitzeljagden vor dem Museumsbesuch organisieren und somit den Schülern durch neue, spannende Medien die alten Artefakte näherbringen und ihnen Leben einhauchen.
- Museumspläne, Übersichtstafeln und sonstige Materialien können komplett abgeschafft werden.
- Museumsgänger können ihren Besuch von zuhause bereits planen, damit ja keines der Lieblingsexponate ausgelassen wird. Man kann entweder eine vorgegebene Route wählen (abenteuerlicher, romantischer, geheimnisvoller oder mysteriöser Rundgang, etc.), oder seinen Besuch ganz individuell gestalten. Mit 35.000 Exponaten auf einer Fläche von 60.000 m² gibt es hier eine große Auswahl.
Wieso sollte das Museum das machen?
Besucherzahlen werden nicht nur steigen, sondern die Besucher werden sich außerdem länger im Museum aufhalten, da man nun die Möglichkeit hat einen Blick hinter die Kulissen jedes einzelnen ‚Schatzes‘ zu werfen und so automatisch mehr Zeit bei einzelnen Kunstwerken/Artefakten verbringt. Ich kann mir außerdem vorstellen, dass Museen mehr Restaurants, Cafés oder simple Lounge-Räume einrichten könnten, damit sich die Batterien der Multimedia-Geräte und der Besucher „aufladen“ können
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Ist es eine Frage des Geldes?
Falls es so ist, dann ist das meiner Meinung nach nicht mehr als eine gute Ausrede. Sollte eine Institution wie der Louvre nicht in sämtlichen Bereichen innovativ an der Weltspitze mitmischen und mit gutem Beispiel vorangehen? Diese nachhaltigen, technologischen Innovationen sind natürlich nur die Spitze des Eisbergs.

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