Ich hatte im September 2009 das große Vergnügen einen guten Freund von mir auf eine Reise in den Iran zu begleiten, um Land und Leute kennenzulernen. Ich hatte immer schon eine Schwäche für altpersische Geschichte, Darius den Großen und sein persisches Achämenidenreich — es hat also nicht lange gedauert mich zu überzeugen.
Es sollte meine erste Reise nach Vorderasien werden und ich war bereit für ein einmaliges Abenteuer. Wir wussten natürlich nicht genau was auf uns zukommen sollte, gerade nach den diesjährigen, umstrittenen Präsidentschaftswahlen. Die öffentlichen Proteste und Demonstrationen gegen das Wahlergebnis und die brachiale Gewalt der Regierung gegen die Demonstranten waren uns natürlich bewusst und wir hatten dementsprechend ein sehr mulmiges Gefühl im Bauch. Hinzu kommt noch, dass wir zur Zeit des islamischen Fastenmonats kamen, was unseren Alltag im Iran um einiges komplizierter machen sollte. Meine Vorfreude hat trotz alldem die Oberhand gewonnen, da wir außerdem eine einmalige Tour gen Persepolis geplant hatten. Persepolis war die Hauptstadt des antiken Perserreichs und eine der Wirkungsstätten von Darius.
Es war also Freitag der 11. September als wir morgens um zirka 3 Uhr auf dem Flughafen Imam Khomeini in Teheran landeten. Erster Stop: Visabeantragung. Deutsche Staatsbürger können das Touristenvisum direkt im Iran beantragen – es hat aber leider einige Stunden gedauert, da die Beamten erst frühstücken mussten. Wir konnten natürlich nicht ahnen, dass sich das übliche Ramadan-Frühstück vor Sonnenaufgang in die Länge ziehen kann.
Nachdem wir die erste Hürde übersprungen hatten, waren wir auf dem Weg zu unserem Hotel in der Innenstadt.
Die Taxifahrt war einzigartig. Unser Fahrer hatte es definitiv eilig: Herr Bleifuß fuhr mit Vollgas gen Teheran und wären wir auf der Rückbank nicht von dem wunderschönen Sonnaufgang hypnotisiert gewesen, hätten wir garantiert Blut und Wasser geschwitzt. Das ungefähr 30 bis 40 Jahre alte Auto hatte nicht nur keine Anschnallgurte, sondern fuhr auch komplett ohne Licht durch die noch schlafende Landschaft.
Unsere ersten Eindrücke von der 8-Millionen Stadt waren alles andere als wir erwartet hatten. Die Stadt war nicht nur dunkel und staubig, sondern auch ein wenig gruselig und mysteriös. Wir sahen keine einzige Seele auf den Straßen und alle Gebäude waren dunkel, grau, schwarz. „Ist das eine Geisterstadt?“, fragten wir uns beide. Es war natürlich noch sehr früh am Morgen, hinzu aber kamen noch die unzähligen schwarzen Flaggen die überall hingen. Im Hotel fielen wir sofort ins Bett, da wir vor Aufregung natürlich die ganze Nacht vorher nicht geschlafen hatten.
Am nächsten Tag sah alles anders aus. Wir fanden heraus, dass am Tag vorher ein sehr hoher Feiertag war (Märtyertod des Kalifen Imam Ali) und deswegen der Großteil der Bevölkerung nicht vor die Tür ging. Zum Ramadan geht das tägliche Leben sowieso erst nach Sonnenuntergang los.
Wir haben selbstverständlich versucht uns größtenteils auch an die Fastenzeit zu halten (Essen und Trinken ist laut des Korans von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nicht erlaubt), um diese religiöse Pflicht der Muslime zu respektieren. Dies hat natürlich nicht immer 100%ig geklappt und wir waren deswegen froh, dass unser Hotel für seine nicht-muslimischen Gäste ein abgeschottetes Frühstückszimmer eingerichtet hatte.
Wir haben Teheran während unseres Aufenthaltes ausschließlich per pedes erkundet. Dies war ideal, da wir so einen kleinen aber feinen Einblick in den Alltag der Einwohner erhalten konnten.
Hier sind ein paar Impressionen.
Der Blick aus unserem Hotelzimmer:
Wir haben uns das ein oder andere Mal verlaufen:
Ein Obstladen. Hier werden noch schnell ein paar Einkäufe für das allnächtliche Festmahl getätigt:
Ein paar Minuten nach Sonnenuntergang wurden Geschäfte in kommunale Nachbarschaftsküchen umgebaut, um ein paar kulinarische Leckerbissen in der Nachbarschaft kostenlos zu verteilen. Ein Batterieladen wurde so zum Beispiel in eine Grießbreiauschänke umfungiert. Ladenbesitzer feiern so das allnächtliche „Iftar“, den Beginn des Fastenbrechens. Zu unserer Überraschung wurde dieser Amuse-Gueule auch uns angeboten:
Schwarze Flaggen am iranischen Erdölministerium:
Ältere Herren diskutieren und lachen im Shar Park:
Konzentration bei einem Brettspiel im Shar Park:
Kinder spielen eine Runde Tischtennis im Shar Park:
Frauenrunde in einem traditionellen Restaurant in Teheran:
Das war unser Abendessen in der letzten Nacht in Teheran:
Iranische Währung – 2000 Rial = 14 Cent:

Teheran ist eine faszinierende Stadt. Die Menschen sind freundlich, das Essen ist einzigartig und wir hatten wirklich die einmalige Chance dieses Land für uns persönlich zu entmystifizieren. Auf der einen Seite sind natürlich die Medien für Vorurteilsbildung und Verallgemeinerungen schuld. Auf der anderen Seite liegt es auch an uns, dass wir diese nicht oft genug hinterfragen, nicht bezweifeln und politisches, religiöses und öffentliches Image mit dem allgemeinen Bild der Bevölkerung, deren Alltag und der Geschichte des Landes vermischen. Selbstverständlich würde das Eine nicht ohne das Andere existieren und die Interdependenzen sind überall ganz klar zu sehen, aber das iranische Volk verdient eine Chance. Natürlich kann eine wirtschaftliche und politische Isolation durch die westlichen Mächte notwendig sein, um die Regierungsspitze zu bedrängen, jedoch darf die arme Bevölkerung nicht außer Acht gelassen werden. Sie leiden schon genug unter ihrer Regierung, einer maroden Infrastruktur und allgemeiner Stagnation.
Nächster Stop: Persepolis!

Wirklich interessanter Post.
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Super Blog, immer wieder interessant zu lesen!